Herzlich willkommen!

Liebe Besucher und Interessierte,

eine eigene Webseite für eine Ortsdurchfahrt? Das ist vielleicht ungewöhnlich – aber die neue Ortsdurchfahrt Rudersberg ist auch alles andere als gewöhnlich!

Nach rund acht Jahren der Planung und Realisierung wurde die Umgestaltung im Frühjahr 2015 abgeschlossen. Seither treffen regelmäßig Anfragen aus dem ganzen Land bei der Rudersberger Verwaltung ein: Vertreter anderer Städte und Gemeinden, Verkehrsexperten, Journalisten ... die Liste der Interessenten ist lang. Gemeinsam ist allen, dass sie mehr über das Projekt erfahren möchten – um Ähnliches womöglich selbst realisieren zu können. Rudersberg profitierte bei der Umsetzung seiner Pläne zur Neugestaltung der Ortsdurchfahrt auch von der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft „Interkommunale Initiative für stadtverträgliche Straßenräume – ISS“. Dieser Zusammenschluss von baden-württembergischen Städten und Gemeinden hat sich zum Ziel gesetzt, bei beispielhaften Projekten zur ortsverträglichen Gestaltung von öffentlichen Räumen sowie zur Sicherung der Attraktivität von Ortskernen zusammenzuarbeiten.

Weitere Informationen zu dieser Arbeitsgemeinschaft erhalten Sie auf dieser Seite. Außerdem stellen wir Ihnen die Rudersberger Ortsdurchfahrt aus verschiedenen Perspektiven vor. Sollten noch Fragen offen bleiben, nutzen Sie gerne das Kontaktformular am Ende der Seite.

Nun wünschen wir Ihnen viel Freude beim „Erfahren“ auf den nächsten Seiten.

Herzliche Grüße

Martin Kaufmann
Bürgermeister

 

"Sieger der Herzen" beim Deutschen Verkehrsplanungspreis 2016

Zweiter Platz für die Gestaltung der Rudersberger Ortsdurchfahrt

Starkes, fast schon sensationelles Ergebnis für Rudersberg: Beim Verkehrsplanungspreis 2016 landete die Gemeinde mit ihrem Projekt „Ortsdurchfahrt Rudersberg – eine Gemeinde erobert ihre Mitte zurück“ auf Platz zwei – hinter Kassel und gleichauf mit Hamburg. Für gewöhnlich sind Gemeinden der Größe Rudersbergs bei solchen Wettbewerben eher chancenlos. Dementsprechend groß war die Freude bei der Delegation aus dem Wieslauftal: „Wir sind der Sieger der Herzen“, sagte Bürgermeister Martin Kaufmann bei der Preisverleihung am 13. Oktober 2016 in Berlin. Alle Informationen finden Sie in dieser Pressemitteilung der Gemeinde Rudersberg.

Die Ortsdurchfahrt

  • Die Hauptziele des Umbaus waren, den Verkehr zu beruhigen und die Ortsmitte wieder attraktiver und lebenswerter zu gestalten. Gleichzeitig hilft das Projekt, Lärm und zumindest in geringem Maße auch den Ausstoß von Schadstoffen zu reduzieren. 
  • Mittelbar tragen die Maßnahmen auch dazu bei, Rudersberg insgesamt als Wohnort und Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen. Menschen leben und arbeiten gerne an einem attraktiven Ort, Immobilien sind wertstabiler.
  • Ausgangspunkt war das Konzept „Shared Space“ (gemeinsam genutzter Raum) des Niederländers Hans Mondermann. Dies ist ein Konzept der Gestaltung öffentlicher Räume, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.
  • Es geht hierbei auch darum, einseitiges Denken sowie sture Schilder- und Signalbefolgung im Straßenverkehr aufzulösen. Das Prinzip „Sicherheit durch Unsicherheit“ ist nur scheinbar widersprüchlich. Zugespitzt formuliert: Wer damit rechnen muss, dass jederzeit ein Fußgänger die Fahrbahn überqueren könnte, ist von sich aus vorsichtiger und fährt umsichtiger.
  • Realisiert wurde in Rudersberg nicht Shared Space in Reinform, das Konzept gab aber wichtige Impulse für die Neugestaltung.
  • Durch verschiedene Maßnahmen wurde dafür gesorgt, dass Verkehrsteilnehmer vorsichtiger sind und miteinander kommunizieren – zum Beispiel durch Gestik und Mimik.
  • Nicht in erster Linie durch Schilder – die ohnehin von vielen nicht richtig beachtet werden – wird für eine angemessene Geschwindigkeit gesorgt, sondern durch die Gestaltung der Straße. Diese ist so, dass der Autofahrer von selbst langsamer fährt und sich nicht gegängelt fühlt.
  • Den ersten und zweiten Bauabschnitt zusammengefasst, wurden annähernd 650 Meter Straße umgebaut. Statt des üblichen Asphalts wurden überwiegend Pflastersteine verlegt. Die einst viel zu schmalen Gehwege sind nun um einiges breiter.
  • Die Gehsteige sind abgesenkt, der Randstein ist lediglich 2-3 cm hoch. Die Beläge von Straße und Gehweg sind einheitlich, wodurch der Eindruck einer durchgehenden Fläche erzeugt wird.
  • Straßenleuchten wurden zu beiden Seiten der Straße aufgestellt – und zwar relativ dicht am Fahrbahnrand. Das ist ungewöhnlich, ergibt aber Sinn: Insbesondere Lkw-Fahrer bekommen hierdurch den Eindruck, dass die Straße eng wird und fahren automatisch langsamer und vorsichtiger.
  • Entlang des zweiten Bauabschnitts wurde ein Sehbehinderten-Leitsystem eingerichtet – Rillen- und Noppensteine führen sehbehinderte Menschen sicher durch die neue Ortsmitte.
  • Rund 3,5 Millionen Euro hat der Umbau der Straße gekostet, das Land hat sich mit rund 570 000 Euro an den Kosten beteiligt.
  • Ein Durchfahrtsverbot für Lkw wird nach wie vor angestrebt.
  • Auch über den Umbau der Ortsdurchfahrt hinaus wurden Maßnahmen für einen fortschrittlichen Verkehr in der Gemeinde getroffen: Ein Elektroauto und zwei E-Bikes gehören bereits zum Fuhrpark der Gemeindeverwaltung, weitere Dienst-Stromer sollen in absehbarer Zeit folgen. Zudem wurde am Rathaus eine E-Ladesäule installiert, an der Elektroautos kostenlos aufgeladen werden können.
  • Angemessene Geschwindigkeit wird dank durchdachter Gestaltung intuitiv eingehalten (V50 für Pkw 31-34 km/h).
  • Nach aktuellen Zählungen (Mai 2016) ist das Verkehrsaufkommen um 32 Prozent zurückgegangen (von 11.400 im Jahr 2009 auf 7.700 (DTVW)), der Lkw-Anteil ist von 6,8 auf 3,9 Prozent gefallen.
  • Dadurch ist auch eine Lärmminderung von >3 dB(A) zu verzeichnen (vorläufige Messung).
  • Schon durch die Einführung von Tempo 30 konnte ein Rückgang von Unfällen verzeichnet werden, nach dem Umbau blieb das Unfallaufkommen unverändert gering.
  • Die Aufenthaltsqualität konnte enorm gesteigert werden, die Ortsmitte lebt auf: Einzelhandels- und Gastronomieangebote wurden neu angesiedelt, Eigentümer engagieren sich mit Investitionen in Sanierungen u. Ä. und tragen so zur Steigerung der Attraktivität bei.

Zahlen & Daten

Planungsbeginn 2007
Baubeginn August 2012 (1. Bauabschnitt), April 2014 (2. Bauabschnitt)
Fertigstellung 28. März 2015
Fahrbahnbreite 6,50 m
Gehwegbreite zwischen 1,70 m und 6,50 m
Randsteinhöhe 2-3 cm
Sitzgelegenheiten zwölf Bänke
Bepflanzung zwölf Pflanzquartiere, zehn mit Säulenhainbuchen, zwei mit Amberbäume sowie sechs Pflanzkübel mit Zieräpfeln
Kosten 3,5 Millionen Euro
Zuschüsse ca. 570 000 Euro
Planungsbüros PRR / Bolz und Partner 
Project Image

High-Lights

Das Tageslicht hat er schon lange nicht mehr gesehen, aber er ist nach wie vor da: der Glasofenbach, der vom Bereich der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 25, über die Backnanger Straße, den Marktplatz sowie den Alten Rathausplatz bis in die Wieslauf fließt. Seit 1868 ist er vollständig verdolt – seit 2015 kann man ihn zumindest wieder erahnen: Auf Vorschlag der Planer hat der Gemeinderat beschlossen, dass entlang der neuen Ortsdurchfahrt 69 blaue LED-Leuchten installiert werden, die den Verlauf des Bachs nachbilden und ihn so wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken.

Interkommunale Initiative für stadtverträglichen Straßenbau (ISS)

ISS – Gemeinsam mehr erreichen

Viele Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg stehen vor ähnlichen Problemen: stark belastete innerörtliche Straßen, auf denen sich keiner mehr wohlfühlt – weder Autofahrer noch Radfahrer oder Fußgänger. Die Aufenthaltsqualität dort ist so gering, dass das öffentliche Leben verdrängt wird. Nicht selten leiden deshalb auch der ansässige Handel sowie die Gastronomie unter der Situation.

Aufgrund geltender Regeln und Gesetze sowie baulicher Realitäten gibt es meist nur geringe Spielräume für situationsangepasste Lösungen. ISS, die Interkommunale Initiative für stadtverträgliche Straßenräume, hat sich zum Ziel gesetzt, diese Spielräume zu vergrößern sowie neue Möglichkeiten zu erkunden und zu testen.

ISS ist ein Zusammenschluss der Städte Esslingen, Karlsruhe, Konstanz, Leinfelden-Echterdingen, Leonberg, Tübingen, Filderstadt und Ulm, der Gemeinde Rudersberg sowie dem Verband Region Stuttgart als beratendes Mitglied. Nun muss sich nicht mehr jede Stadt selbst für eine Lösung verkämpfen, man profitiert vom Erfahrungsaustausch und den jeweiligen Expertisen – und kann gemeinsam mehr erreichen, gerade auf politischer Ebene.

Kontakt und weitere Informationen

Die Initiative steht weiteren Städten und Gemeinden jederzeit offen – bei Interesse bitte bei Martin Kaufmann melden, dem Initiator und Sprecher der ISS. Kontaktieren Sie ihn einfach über das Formular am Ende dieser Website. 

Downloads

Mehr Informationen zur ISS finden Sie auch in den folgenden Papieren. Zum Download einfach auf den jeweiligen Link klicken.  

 

 

Stimmen

Der Ruderberger Bürgermeister Martin Kaufmann hat lange für die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt gekämpft. Im Interview spricht er über die Idee.

Martin Kaufmann, wie kommt man auf die Idee, eine Ortsdurchfahrt auf ganz neue Art anzugehen?

Indem man angestrengt nach einer Lösung sucht. Die Bürger hatten sich 2007 in einem Quorum gegen eine Umgehungsstraße ausgesprochen, also galt es, einen neuen Weg zu finden.

Und was war Ihr Ansatzpunkt?

Die zentrale Frage lautete: Wie bekomme ich die Straße in Einklang mit den Menschen? Die Ortsdurchfahrt hatte sozialen Raum kaputtgemacht, dem Auto wurde Platz eingeräumt, als Fußgänger fühlte man sich unwohl. Aber ich bin der Meinung, dass die Ortsmitte den Menschen gehört. Auf der Suche nach der Antwort ist mir dann die Planungsphilosophie "Shared Space" begegnet.

Shared Space?

Wörtlich bedeutet das gemeinsam genutzter Raum. Es geht darum, vom Verkehr dominierte Bereiche lebenswerter und sicherer zu gestalten, indem die Verkehrsteilnehmer vollständig gleichberechtigt werden – was die gegenseitige Rücksichtnahme stärkt. Die Straße wird als sozialer Raum betrachtet, der allen gleichermaßen gehört und gemeinsam genutzt werden kann und soll.

Ganz haben Sie diese Philosophie nicht umgesetzt. Die Verkehrsteilnehmer sind bei Ihnen nicht vollständig gleichberechtigt. Warum nicht?

Weil es in Baden-Württemberg nicht erlaubt ist. Aber wir haben versucht, dieser Philosophie so nahe wie möglich zu kommen. Selbst dazu mussten wir unheimlich dicke Bretter bohren.

Was bedeutet dies konkret?

Ich wurde Initiator und Sprecher der Interkommunalen Initiative für stadtverträglichen Straßenbau (ISS). Neben Rudersberg gehören Esslingen, Filderstadt, Leonberg, Tübingen, Ulm, Karlsruhe, Konstanz sowie der Verband Region Stuttgart zur ISS. Dieser Zusammenschluss war nötig, damit wir stark genug waren, unsere Interessen politisch durchzusetzen – und dennoch hat es acht Jahre gedauert, bis unser Projekt umgesetzt war.

Warum?

Zum Beispiel wegen des immens aufwändigen Planungsvorlaufs. Von der ersten Machbarkeitsstudie, über Einzeluntersuchungen, wie die Lärmaktionsplanung sowie die Anordnung von Tempo 30 bis hin zur eigentlichen Entwurfsarbeit war es ein weiter Weg.

Aber nun ist es endlich geschafft. Sind Sie zufrieden?

Auf jeden Fall. Die offene Gestaltung macht den Straßenraum nun lebenswerter und sicherer.

Warum haben Sie das Prinzip nur auf einer relativ kurzen Strecke umgesetzt?

Weil es nur auf einigen hundert Metern richtig funktioniert. Diese Gestaltung fordert Aufmerksamkeit von den Verkehrsteilnehmern. Und diese lässt nach einigen hundert Metern entscheidend nach.

Sie sagten eingangs, dass der Mensch im Zentrum der Idee stand. Waren die Bürger eigentlich auch in den Entscheidungs- und Planungsprozess eingebunden?

Wenn man so will, waren sie sogar die Initiatoren. Denn der Ausgangspunkt war ja, dass sie sich gegen eine Umgehungsstraße ausgesprochen hatten. Auch im Verlauf des Verfahrens gab es umfangreiche Mitwirkungsmöglichkeiten: eine Planungswerkstatt sowie eine Vielzahl von Einzelgesprächen und Treffen mit Interessengruppen.  

Sie erhofften sich von der Neugestaltung auch weitere Auswirkungen für die Ortsmitte. Sind diese eingetreten?

Einige davon auf jeden Fall: Häuser werden renoviert, Menschen sitzen wieder auf Bänken, Wirte stellen Tische vor die Tür. Kurzum: Das Leben kehrt zurück in unsere nun attraktivere Ortsmitte. Der Ortskern ist das Wohnzimmer einer Gemeinde – dort soll man gerne sein. Und augenscheinlich fühlen unsere Bürger und Besucher dort nun wieder wohler.

In Ihrer Gemeinde war die Ortsdurchfahrt umstritten, doch von außerhalb ernten Sie viel Lob und Interesse für dieses landesweit einmalige Verkehrsprojekt.

Und das nicht zu knapp. Wir haben hier zweifelsohne ein Leuchtturmprojekt durchgesetzt, das Strahlkraft haben kann für das ganze Land. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Wir geben auch gerne Auskunft und es freut uns jedes Mal, wenn potenzielle Nachahmer kommen, um die Rudersberger Idee zu kopieren.

Als Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft kennt Prof. Jan Riel sich mit dem Verkehr im Land bestens aus – er bewertet die Situation in Rudersberg positiv.

Prof. Jan Riel über ...
... seinen Eindruck von der neuen Rudersberger Ortsdurchfahrt:

Zuletzt war ich an einem Samstagmittag in Rudersberg. Der ganze Ort schien auf den Beinen! Natürlich waren nach wie vor viele mit dem Auto da – die Menschen aus der Umgebung sind nun mal weitgehend darauf angewiesen. Doch es waren auch viele zu Fuß unterwegs und gingen auch selbstbewusst über die Straße – nicht nur am Zebrastreifen. Die Straße hat keine so stark trennende Wirkung mehr. Das ist ein gutes Zeichen. Und wer durch Rudersberg fährt, fährt nun nicht mehr "irgendwo durch", sondern stellt fest: "Mensch, da ist ja was links und rechts der Straße." Baulich, optisch und vom Bewegungsgefühl her hat sich viel getan. Die Situation wurde insgesamt sehr gut gelöst. Teilweise wird auch außerhalb der Markierungen auf den Gehwegen geparkt, was die Verbesserungen für Fußgänger durch den Umbau teilweise wieder aufhebt, aber das lässt sich regeln.

... die alte und neue Rudersberger Ortsdurchfahrt als Trend:

Die Ortsdurchfahrt wie sie vorher war steht eindeutig für einen Trend, gegen den viele Städte und Gemeinden kämpfen: Ortsmitten werden immer unattraktiver, bluten regelrecht aus. Stattdessen bündeln sich Handel und Gewerbe verstärkt auf der "grünen Wiese". Ich hoffe, dass Rudersberg diesen Trend mit der Umgestaltung der Ortsdurchfahrt nachhaltig durchbrechen kann und dass die Rudersberger ihren Ort wieder mehr in Beschlag nehmen. Es wäre schön, wenn die neue Ortsdurchfahrt ein neuer, ein positiver Trend wird. Diesen Effekt wollen auch viele erreichen, aber meist fehlt es jedoch am nötigen Willen, Geld oder Durchsetzungsvermögen.

... Rudersberg als Modell und Vorbild:

Was das Bauliche betrifft, können sich einige ein Beispiel an Rudersberg nehmen. Doch Umbauen alleine hilft nicht in jedem Fall, denn natürlich ist die Situation in jedem Ort anders und muss genau analysiert werden. Stadtplanung und Wirtschaftsförderung müssen mit der Straßenplanung Hand in Hand gehen, damit die Saat aufgehen kann. In Rudersberg sieht es so aus, als könnte die Ortsmitte nachhaltig aufblühen.

... die Interkommunale Initiative für stadtverträgliche Straßenräume (ISS):

Viele Kommunen kämpfen mit ähnlichen Problemen – und scheitern, weil sie alleine sind. Im einem Netzwerk wie der ISS kann ein fruchtbarer Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen stattfinden, außerdem werden Verbünde von zahlreichen Kommunen eher von der Politik wahrgenommen, als ein einzelner Bürgermeister oder Amtsleiter. Ich denke, dass Rudersberg und Bürgermeister Martin Kaufmann als Einzelkämpfer nicht soweit gekommen wären. Der weithin geführten Diskussion über stadtverträgliche Straßenräume und Geschwindigkeiten, wie sie auch von der ISS geführt wurde, ist es zu verdanken, dass die Verkehrsminister der Länder dem Bund den Auftrag erteilt haben, eine Regelung zu erlassen, die die Anordnung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen erleichtern soll. Und zwar bevor etwas passiert – und nicht erst danach.

Die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt stellt für das Zentrum von Rudersberg eine deutliche Verbesserung da. Die abgesenkten Gehwege, die installierten Bänke und die einheitliche Gestaltung mit dem hellen Belag haben mehr Signalwirkung als jedes Verkehrsschild. Die Botschaft? An Autofahrer: "Fahr langsam und achte auf die anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Fußgänger und Radfahrer." An Radfahrer und Fußgänger: "Fühl dich eingeladen zum Verweilen und Innehalten." An Gastronomie und Einzelhandel: "Nimm die frei gewordenen Flächen in Beschlag."
Ohne Zweifel: Der Aufenthalt in der Ortsmitte besitzt jetzt eine ganz andere Qualität. Es gibt viele Gewinner, aber keine Verlierer. Auch nicht die Autofahrer. Denn die Funktionalität der Durchfahrt ist weiter gegeben, es passieren immer noch viele Fahrzeuge den Ort – nur eben langsamer und leiser.
Rudersberg kann sich sehen lassen und ist für mich ein Vorzeigebeispiel. Nicht nur, aber auch dank des Mutes und der Beharrlichkeit des Bürgermeisters Martin Kaufmann, über Jahre die treibende Kraft hinter dem Projekt. Eine Umgehungsstraße hätte einen Eingriff in Natur und Landschaft bedeutet, die Menschen wären an Rudersberg vorbeigefahren – und dem Ort wäre so die Chance genommen, mit einer einladenden Geste die Menschen zum Anhalten anzuregen.

Zur Person: Hartmut Topp

Prof. Dr. Ing. Hartmut Topp (geb. 1942) war Leiter des Instituts für Mobilität & Verkehr an der TU Kaiserslautern. Er gehört zu den renommiertesten Stadt- und Verkehrsplanern Deutschlands und hat in dieser Funktion auch schon die Vereinten Nationen beraten. Seine Hauptthemen sind unter anderem nachhaltige Mobilität, Mobilitätsverbund mit ÖPNV, zu Fuß, Fahrrad und Car-Sharing, sowie Straßen und Plätze als Lebensräume. Topp gewann 1998 zusammen mit anderen den deutschen Städtebaupreis und verbrachte Forschungssemester in den USA, Singapur, Australien, Brasilien, Chile und Kolumbien.

Ihre Anfragen

So erreichen Sie uns

Haben Sie Fragen oder Anfragen zu unserer Ortsdurchfahrt?
Benötigen Sie weitergehende Informationen?
Dann melden Sie sich gerne – über nebenstehendes Kontaktformular oder wie folgt:

  • Adresse:
    Gemeinde Rudersberg
    Backnanger Straße 26
    73635 Rudersberg
  • Telefon: 07183/3005-0
  • Telefon: 07183/3005-55
  • E-Mail: info@rudersberg.de